Freitag, 25. Mai 2012
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Glasklare Sache (Menorca Gin)

Briten brachten den Gin nach Menorca
Heute ist der Wacholderschnaps aus keiner Bar mehr wegzudenken


VON KIRSTEN LEHMKUHL

Es war die britische Besatzungsmacht, der die Menorquiner ihren Gin verdanken . Denn die Soldaten der englischen Krone dachten nicht daran, auf ihren Wacholderschnaps zu verzichten. Und so wurde auf Menorca im 18. Jahrhundert eine Gin-Destillerie erbaut. Von 1712 bis 1802 war Menorca mit einer kleinen Unterbrechung - als nämlich Franzosen die Insel besetzt hatten - in der Hand von Briten. Doch am Hochprozenter, so klar wie Quellwasser, fanden auch die Inselbewohner alsbald Gefallen. Heute ist er so etwas wie ihr Nationalgetränk.
Die einzige Gin-Fabrik der Insel befindet sich noch immer in Familienbesitz. Der "Gin Xoriguer" wird in der Hauptstadt Mahon hergestellt, und das nicht gerade in geringen Mengen: Allein im vergangenen Jahr waren es mehr als 350.000 Liter. Dabei ist Wacholder die Basis der Spirituose, und ausgerechnet er wächst nicht auf Menorca. Heute wie früher muss er importiert werden. Die Beeren kommen aus den Pyrenäen, sie werden vornehmlich in Höhen zwischen 800 und 1.000 Meter geerntet, des besseren Aromas wegen. Das Klima auf Menorca eignet sich nicht für das Gedeihen der Zypressengewächse.
Wie einst werden bei der Destillation Kupferkolben eingesetzt. Nach traditioneller Art wird richtig Feuer unter den Kesseln gemacht wird, Holzfeuer versteht sich.
Die Zutaten für das Getränk:
Weinalkohol, Wasser, Wacholderbeeren - und aromatische Kräuter. WeIche das allerdings sind, das bleibt Betriebsgeheimnis. Sie sind es schließlich, die dem Produkt seinen unverwechselbaren Charakter geben. Es heißt, dass in Mahon ausschließlich Familienmitglieder die Zusätze vor jedem Brennvorgang höchstselbst beifügen. Hinter verschlossenen Türen, ohne jegliche Zeugen. Ingesamt gibt es weltweit bis zu 120 Aromen, die bei der Gin-Herstellung verwendet werden.
Der Alkohol, heute aus Weintrauben gewonnen, wurde früher aus Getreide gebrannt. Daran erinnert auf dem Etikett der Flaschen noch immer die alte Getreidemühle, in der das Korn gemahlen wurde.
Bevor der Gin in Flaschen abgefüllt wird, reift er einige Tage in Eichenfässern. Ein "Maestro", wie man ihn bei Xoriguer nennt, wacht darüber, wann der Gin "auf dem Punkt ist". Das ist er dann, wenn er eine leichte Holznote angenommen hat, er darf aber nicht anfangen, sich zu verfärben. Damit er eine glasklare Sache bleibt.

[ Quelle: Mallorca Zeitung Nr. 323/Woche 29/2006 ]