Mittwoch, 23. Mai 2012
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Im Zeitraffer zum Millionär

Besitzer des Weingutes Ca'n Vidalet ist deutscher Wirtschafts-Pionier

VON ALEXANDER SEPASGOSARIAN

Auf Mallorca ist Thomas J. C. Matzen - die Mittelinitialen stehen für Jens Christian - als Weingutbesitzer der Bodega Ca'n Vidalet bei Pollenca in Erscheinung getreten. In deutschen Wirtschaftskreisen kennt man den Hamburger Kaufmann dagegen seit Jahren als einen Unternehmer, der es mit Wagniskapital zum Multimillionär gebracht hat - und zwar "im Zeitraffer', wie er selbst sagt. Mehr noch: Thomas Matzen, Jahrgang 1949, gilt in der Branche als Pionier des Management-Buy-out (MOB). Ökonomen verstehen darunter den Vorgang, wenn sich das Management in das Unternehmen einkauft. Daneben finanziert Matzen mit Venture Capital (VC) den Anschub von Jungfirmen mit innovativen Geschäftsideen etwa im Bereich Medizintechnik. Das System: VC-Geber stellen Kapital bereit, betreuen die Firma und fahren, wenn der Geschäftserfolg sich einstellt, ihren Anteil am Gewinn ein. Heute werden in Deutschland nach Matzens Worten im Bereich MOB und VC im Jahr bis zu 15 Milliarden Euro investiert. "Diesen Markt habe ich mit ins Leben gerufen."
Bei Matzens Aktivitäten geht es sich nicht um angeschlagene Firmen. Es handelt sich vielmehr um profitable Unternehmen, die noch profitabler gemacht werden. "Etwa, indem man Wettbewerber gleich mit aufkauft oder den Umsatz von 100 auf 200 Millionen steigert", beschreibt Matzen sein Konzept. Sein erstes Engagement bei einem MOB-Verfahren absolvierte er in den 80er Jahren beim deutschen Marktführer von Karnevalskosmetik.
Damals war Matzen noch auf andere Geldanleger angewiesen, inzwischen finanziert er seine Aktivitäten - etwa in den Bereich Textil, Informationstechnologie, Immobilien - allein. Seit Mitte der 90er Jahre brachte Matzen viele der Unternehmen auch an die Börse.
Die Arbeitswelt lernte Matzen von ganz unten kennen. Bereits als Schüler jobbte er in einem Eisenwerk. Ende der 60er Jahre studierte das SPD- und Gewerkschaftsmitglied Betriebswirtschaft in Hamburg. "Ein Semester lang habe ich ausschließlich Neo-Marxismus studiert, nur um es zu verstehen." Nach dem Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt 1982 verließ Matzen Partei und Gewerkschaft.
Der berufliche Weg des diplomierten Kaufmanns gleicht einer Bilderbuchkarriere. Nach Abschluss des Studiums arbeitete Matzen in den USA und Brüssel für den US-Privatkonzern Mars Inc.. Mit 28 Jahren war er weltweit der jüngste leitende Angestellte des Global-Players, mit 31 der Finanzchef des Konzerns in Europa. 1986 trat Matzen in die Geschäftsführung der J. Henry Schroder Unternehmensberatung GmbH in Hamburg ein, 1990 übernahm er die Anteile und gründete sein eigenes Unternehmen, die Thomas J. C. Matzen GmbH. Direkt beteiligt ist er derzeit an einem Dutzend Firmen.
Worüber Matzen noch weniger spricht als über seinen Job ist sein soziales Engagement. In Norddeutschland erwarb er ein Ferienheim, in dem traumatisierte Kinder und ihre Betreuer leben. Bis zum Jahre 2006 soll der Hort von acht auf 20 Plätze aufgestockt werden.
Matzen ist zusätzlich ordentlicher Professor an der Technischen Universität Hamburg-Harburg.
Dort lehrt er seit 2001 unter anderem Karriere-Management. Auf sein Gehalt verzichtet Matzen, fördert damit Studierende aus Entwicklungsländern. "Soziales Engagement ist für mich eine Selbstverständlichkeit. In den USA ist es normal, einen Teil seines Gehalts als Charity zu geben."
Wie einen Wirtschaftsbetrieb leitet Matzen auch seine 1995 auf Mallorca gegründete Bodega. Ziel ist, dass das Weingut die laufenden Kosten bis 2007 selbst finanziert. Denn:
"Wenn ich nur davon leben müsste, würde ich verhungern."

[ Quelle: Mallorca Magazin 31/2004 ]